Jessica B. Wagener – Expertin für emotionale Geschichten und Textpflege

30 Nov

Musik ist überall in New Orleans

Sie fliehen vor der Musik. Der weißhaarige Klarinettist, ein Cousin Gandalfs in Lederjacke, kichert vorm Café Beignet dem davoneilenden Pärchen hinterher. „Einwohner. Sie haben manchmal einfach die Schnauze voll von der ganzen Musik und rennen weg.“ Kann mir nicht passieren. Wegen Jazz und Swing und Blues und so bin ich doch in New Orleans.  Continue Reading

23 Nov

Die Gefahren von Couchsurfing

„Hier, nimm das. Dann wirst du dich sicherer fühlen.“ Die Bedienung drückt mir etwas Schweres, Glattes in die Hand und hält meinen Blick fest. Als ich die Finger öffne, ruht da ein Taschenmesser mit Perlmuttgriff. Wir kennen uns keine fünfzehn Minuten, das runde Mädchen mit der Affenstrickmütze und ich, aber in ihren Augen liegt echte Sorge. Mein Magen wird flau. Ich spüre, dass sie Recht hat. „Du kannst auch bei mir übernachten, wenn du magst. Du solltest definitiv nicht dahin zurückgehen. Der Typ ist verdammt noch mal creepy.“  Continue Reading

18 Nov

Meine Affäre mit New York City

Es war von Anfang an klar, dass das mit uns keine Zukunft haben würde. Ich sitze auf meinem Hostelfeldbett und drücke meinen Rücken an die warme Backsteinmauer. Meine letzte Nacht mit New York. Kratzige Filzdecke statt Satin.

Wir hatten eine atemlose Affäre, die Stadt und ich. Erschöpfend. Fordernd. „Alle wirklich guten Dinge sind anstrengend, weil sie leidenschaftlich sind“, hat mal jemand zu mir gesagt. Genauso ist New York.  Continue Reading

12 Nov

Brooklyn und die Kommune

„Hi, ich bin Lucy! Hast du Hunger?“ Sie steht vor dem Gasherd und rührt in einem großen Topf. Als sie sich halb zu mir umdreht, fällt mir – gleich nach ihrem britischen Akzent – ihr abgebrochener linker Schneidezahn auf. Lucy sieht mit Stupsnase und zotteligen Zöpfen aus wie Pippi Langstrumpf nach einer Kneipenschlägerei. Ich bin sofort verliebt.  Continue Reading

12 Nov

Marsch über die Brooklyn Bridge

Wahrscheinlich bekomme ich Hornhaut. Der Kunststoffgriff meines Trolley-Rucksacks reibt schrittrhythmisch schabend meine Handfläche wund. Die Haut brennt, aber das fällt kaum auf – diverse Schmerzrezeptoren laufen körperweit auf Hochtouren. „Geh‘ unbedingt zu Fuß über die Brooklyn Bridge“, haben sie gesagt, „das ist voll schön und romantisch.“

Von Romantik bin ich nur leider momentan so weit entfernt wie Paris von Ulan Bator.  Continue Reading

08 Nov

New York City ohne Strom

Der erste Morgen meiner Reise ist novemberkalt. Ich brauche Strom, sofort. Für mein Handy, für eine Internetverbindung. Damit ist klar, womit meine Tage in New York ausgefüllt sein werden: Mit der Jagd nach der wichtigsten Ressource unserer Gesellschaft. Während mir das kalte Wasser in die Wangen beißt, ersinne ich einen raffinierten, ausgeklügelten Plan.  Continue Reading

06 Nov

Ankunft in New York

„Sie sehen glücklich aus. Warum sind Sie so glücklich, Jessica?“ Die Frau hinter dem Schalter fletscht professionell die Zähne, ihre Stimme klirrt zu hell, um ehrlich freundlich zu sein. Dass mir diese Frage so gestellt mikrosekundenlang ein schlechtes Gewissen macht, schafft nur das Department of Homeland Security. Jedes Mal. Im Neuronentempo horche ich in mich hinein: Bin ich vielleicht doch nur deshalb so gut gelaunt, weil irgendein subversiver Teil im finstersten Winkel meiner Seele insgeheim die amerikanische Bevölkerung pulverisieren will?  Continue Reading

04 Nov

Weltreise-Start mit Fensterplatz

Der A 380 ruckelt vom Gate zur Startbahn und ich blicke durch das Bullauge auf die vergangenen eineinhalb Jahre. Der kalte Kunststoff der Wandverkleidung reibt an meiner Schläfe. Ich sitze in einem Flugzeug und bin dabei, all die Orte zu bereisen, die ich schon immer sehen wollte – mein größter Wunsch wird wahr.  Continue Reading

Jessica B. Wagener – Expertin für emotionale Geschichten und Textpflege