Ich habe versucht, dich zu vergessen. So sehr. Ich habe andere umarmt, genossen, ja sogar bewundert. Für dieses oder jenes, das eine oder andere. Ich habe mich fallen lassen in fremde Gemütlichkeit. Es war ja so einfach, es tat gar nicht weh, so zu tun als ob.

Mit der Zeit stumpfte ich ab, gewöhnte mich an das Nicht-Du, an deine Abwesenheit und unser Getrenntsein. Die Sehnsucht nach dir war betäubt von Alltag, eingelullt in Geschäftigkeit, bedeckt mit Bequemlichkeit. Hatte ich nicht alles, was ich brauchte? Das Gefühl, irgendwo Zuhause zu sein, mein Gleichgewicht, Stabilität, einen Rhythmus?

Aber der Rhythmus war nie deiner.

Wenn ich die Augen schloss, konnte ich ihn fühlen. Deinen Beat. Der sich stetig verändert und doch immer deiner bleibt. Ich würde ihn überall, jederzeit erkennen. Er hat sich in meine Seele gepflanzt. Auch in meinen Träumen pulsierte er, wenn ich schutzlos war und die Lüge schlief. Er weckte die Sehnsucht in meinem Herzen. Wenn ich aufwachte, schlug es in deinem Takt und meine Augen brannten.

Oh, ich konnte dich nie vergessen. Deine Schönheit, deine Hitze, deine Leidenschaft hatten mich für alles andere verdorben. Die Art, wie du mein Innerstes entzündet und verändert hast. Ich liebe alles an dir, auch deine hässlichen Seiten, deine Schwächen. Ja, du bist ungerecht, gemein, gefährlich. Und du bist anstrengend. Aber alle guten Dinge sind anstrengend, weil sie leidenschaftlich sind. Ich gebe zu: Ich hatte sogar Angst vor dir. Angst vor dem, was du mit mir, aus mir machen könntest. Weil meine Liebe zu dir vom ersten Moment an so groß und ich durch sie so verwundbar war. Diese Frage, ob ich heil davon käme oder in Teilen zerstört.

Doch jetzt ist sie nicht mehr wichtig. Ich habe der Sehnsucht nachgegeben. Ich habe mein gewöhnliches, ungefährliches, leidenschaftsarmes Leben beiseite geschoben, den Panzer aus Alltag, Stabilität und Sicherheit zerbrochen und bin zu dir zurückgekehrt.

Ich weiß, dass es richtig ist. Auch, wenn es nicht für immer sein kann. Auch, wenn du mich noch weiter unbrauchbar machst für alles andere. Ich genieße jede Sekunde mit dir. Verschling mich, es kümmert mich nicht. Ich werde immer wieder zu dir kommen. Mit dir fühle ich mich lebendig. Du machst mich glücklich. Du bringst meine Seele zum leuchten. Mir egal, ob sie dabei verglüht.

Ich liebe dich, Rio de Janeiro.