Wenn jemand Krebs hat, ist das scheiße. Für alle Beteiligten. Und es ist so unerträglich schwer, die richtigen Worte bei Krebserkrankung zu finden. Hier ein Hilfs-Versuch – geschrieben aus eigener Erfahrung auf beiden Seiten.

Als ich diesen einen Artikel gelesen habe, musste ich erst die Tränen runter in den Bauch drücken und dann dort das Wutknäuel entwirren. Anschließend wollte ich den Text hundertfach ausdrucken und bei Ärzten und in Krankenhäusern aufhängen.

Es geht um Worte bei Krebserkrankung – also, was man zu Menschen, die an Krebs erkrankt sind, besser nicht sagen sollte. Vieles davon habe ich selbst gehört. Zum Beispiel so was:

Wir müssen schließlich alle irgendwann sterben.“

Natürlich ist der Umgang mit so etwas Furchteinflößendem wie Krebs schwer und man ist unsicher, wie man reagieren soll.

Man will den erkrankten Menschen unterstützen, Mitgefühl zeigen, die richtigen Worte bei Krebserkrankung finden, demjenigen trotzdem nicht zu nahe treten. Das ist ein verbaler Drahtseilakt.

Aber Sätze wie der obige oder „Du bist so tapfer!“ und „Irgendwo ist jemand viel schlimmer dran als du“ sind dabei leider nicht besonders hilfreich.

Doch keine Sorge!

Zum Einen ist mit der Suche nach den richtigen Worten bei Krebs der erste und wichtigste Schritt schon mal getan – das empathische Nachdenken; zum Anderen versuche ich dir in diesem Artikel ein paar Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung als Ex-Krebspatientin zu geben.

Darum geht es in diesem Text zu Worten bei Krebs:

Teil 1: Was man nicht sagen sollte

Teil 2: Was vielleicht ein bisschen besser ist

Worte bei Krebserkrankung
Worte bei Krebserkrankung | © J. Wagener

1. Bei Krebs lieber nicht sagen

Vorab: Auch mir gelingt es oft nicht, meine Anteilnahme so rüberzubringen, wie ich es gern würde. Die richtigen Worte zu finden, das ist zugegebenermaßen wirklich schwierig und erfordert viel Sensibilität und Einfühlungsvermögen.

Als allererstes ist es deshalb wichtig zu berücksichtigen, dass jeder Mensch einzigartig und unterschiedlich ist.

Was eine Person aufbauend, lustig, inspirierend und ermutigend findet, ist für jemand anderen banal oder blöd. Bei Arbeitskollegen ist mehr Distanz gefragt als bei besten Freunden und bei den Schwiegereltern mehr als beim Partner. Deshalb ist es letztlich immer eine Einzelfallentscheidung.

Dennoch gibt es Sätze, die gut gemeint sind und trotzdem oft das Gegenteil bewirken. Ein Beispiel:

 „Mit deinem Krebs hast du ja noch Glück gehabt, es hätte auch XYZ sein können.“

Soll beruhigend wirken, tut es aber eher nicht. Denn nur, weil irgendwo jemand noch elender dran ist, ändert das rein gar nichts an dem Krebs-Problem und dem individuellen Leid der erkrankten Person.

Das Schlimmste, was ein einzelner Mensch durchmacht oder durchgemacht hat, ist nun mal für die Person das Schlimmste, was er oder sie durchmacht oder durchgemacht hat. Vollkommen egal, wie gut oder schlecht es anderen geht.

Hier noch ein anderes typisches Beispiel:

„Also, WENN den Krebs jemand besiegen kann, dann DU!“

Auch hier ist die Absicht Ermutigung. Doch wie jeder weiß, der mal von so einer Krankheit betroffen war – man selbst hat leider nur so mittelmäßigen bis äußerst geringen Einfluss auf das Ganze.

Klar kann man sich gesund ernähren, meditieren und auch sonst alles tun. Aber letztlich ist Krebs kein persönlicher Feldzug, sondern schlicht eine schwere Krankheit. Und dieser Satz erzeugt unnötigen Druck und Schuldgefühle. Denn Verlauf und Ausgang einer Krebs-Erkrankung haben absolut nichts mit (mangelndem) Kampfgeist oder gar Feigheit zu tun.

Aus eigener Erfahrung kann ich zudem sagen: Nach überstandener Bestrahlungs- bzw. Chemotherapie beginnt erst der Teil mit der psychischen Verarbeitung und den empfand ich – wenn auch auf andere Weise – ähnlich hart. Oft verstehen das Außenstehende aber nicht; sie wissen nicht, dass jede noch so kleine, unbedachte Äußerung massive Ängste auslösen kann.

Mein persönlicher Evergreen der ungeschickten Worte bei Krebserkrankung:

Hast du keine Angst, dass es wiederkommt? Immerhin hattest du es schon mal.“

Ich höre diese Frage immer wieder. Natürlich habe ich Angst, riesengroße sogar. Aber es gelingt mir meist, sie zu verdrängen, sonst könnte ich auch kein halbwegs normales Leben führen. Und weißt du denn, was gerade jetzt irgendwo hinten links in deinem Körper wächst? Eben. Deshalb ist dieser Satz nicht hilfreich. Sondern verursacht Angst.

Die Autorin des Buzzfeed-Textes sagt aber, was ihrer Meinung nach gar nicht geht und gibt am Ende Tipps, wie man es besser machen kann.

Es geht auch anders

Zum Glück habe ich irgendwann die die großartigen „Empathy Cards“ der Künstlerin und Krebs-Überlebenden Emily McDowell entdeckt. Sie zeigen mit warmherzigem Humor, wie es anders geht. Hier mein Lieblingsbeispiel:

emilymcdowell-card

Sie sagt: „Ich habe diese Karten für schwere Krankheiten entworfen, weil wir bessere, authentischere Arten brauchen, über Krankheit und Leid zu kommunizieren.“

Ja, genau! Also klemmt euch Phrasen und Platitüden, lasst lieber das Herz sprechen. Auch und gerade dann, wenn es ängstlich und unsicher und voller Sorge ist.


Teil 2: Die richtigen Worte bei Krebserkrankung

Die richtigen Worte bei Krebs zu finden ist unter anderem deshalb schwer, weil Menschen so unterschiedlich sind und komplett anders mit so einer Diagnose umgehen. Und weil es so eine schwere Krankheit ist, die einen Schock mit sich bringt.

Ich persönlich habe mich zum Beispiel immer über rabenschwarzen Humor gefreut, Dinge wie „Ach, du strahlst ja heute wieder richtig!“ Okay, zugegeben – das ist hart. Aber das war eben mein individueller Umgang mit dem Krebs und der Therapie und ist definitiv nichts für jeden.

Vielleicht ist es klug, dir genau Gedanken zu machen, was da für ein Mensch betroffen ist, wie er oder sie tickt – und zu berücksichtigen, in welchem Verhältnis ihr zueinander steht. Je näher man sich ist, desto eher kann man auch rustikale Witze vertragen.

Oder wie eine inzwischen verstorbene Freundin der Familie während ihrer Krankheit immer zu sagen pflegte: „Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Oft sind es aber ganz einfache Sätze, die sehr helfen und trösten:

  • „Was brauchst du?“
  • „Du bist nicht allein. Es sei denn, du willst das so.“
  • „Ach, es ist okay, dass du Angst hast.“
  • „Tut mir von ganzem Herzen leid, dass du das grad durchmachen musst.“
  • „Ich wünsche dir immer so viel Kraft, wie du grad brauchst und so viel Liebe, wie du tragen kannst.“
  • „Weißt du was? Krebs ist scheiße. Richtig, richtig scheiße. Die blöde Sau.“
  • „Soll ich für dich einkaufen gehen?“
  • „Wenn du motzen, schreien, heulen, lachen willst – ich bin hier.“
  • „Möchtest du allein sein oder magst du Gesellschaft?“
  • „Ich bin hier, wenn du mich brauchst.“
  • „Willst du eine Umarmung?“
  • „Hier ist eine Playlist für dich.“
  • „Ich kann nicht im Ansatz nachfühlen, wie es dir geht, aber ich bin für dich da.“
  • „Hier ist Satz Karten mit Dienstleistungen. Einfach ankreuzen und ich tu’s. (einkaufen, aufräumen, spazieren gehen…)“

Außerdem sprechen Menschen mit Krebs auch wirklich gern mal über was anderes.

Die Krankheit bestimmt schon genug Anteile des Alltags und diese Menschen sind mehr, viel mehr, als der blöde, verschissene Tumor in ihrem Körper.

Dem Krebs danken – ja, das geht

Manchmal kann so eine Krankheit – trotz aller Angst und allen Grauens – auch ein Stück weit helfen, sich des Lebens mehr bewusst zu werden und dieses kostbare Geschenk viel mehr zu schätzen. Sie kann dabei helfen, zu erkennen, wer echte Freunde sind und wer eher nicht so. Und aufzeigen, welche die wahren Herzenswünsche sind. Für stern.de habe ich aufgeschrieben, wofür ich dem Krebs dankbar bin.

Danke an Pflegekräfte

Wer selbst eine Krebserkrankung hat oder Angehöriger ist, der hat viel mit Pflegenden und Ärzten zu tun. Nicht immer läuft dabei alles rund, die Kommunikation lässt meiner Erfahrung nach oft extrem zu wünschen übrig.

Aber es gibt vereinzelt Menschen auf dem Weg der Krankheit, die einen echten Unterschied machen. Die besonders kompetent oder einfühlsam oder einfach nur sie selbst und damit genau richtig sind. Wie man sich bei ihnen bedanken kann? Na, so zum Beispiel.

Ehrlichkeit zählt

Und falls dir auf Biegen und Brechen absolut gar nichts einfällt, was du zu einem Menschen mit Krebs sagen kannst, und du null passenden Worte bei Krebserkrankung findest, dann sei aufrichtig und sage genau das: „Ich würde dich so gern trösten, aber ich finde einfach nicht die richtigen Worte.“

Das ist auf jeden Fall aufrichtig, ehrlich und kommt von Herzen. Und damit ein verdammt guter Anfang.


In meinem Buch „Narbenherz“ könnt ihr übrigens alles darüber lesen, wie ich mit der Krankheit umgegangen bin – und falls ihr keine eigenen Worte findet, kann das Büchlein (Leseprobe hier) vielleicht ein wenig Mut und Trost spenden:


Mehr Texte zum Thema Krebs:


PS: Ich bin freie Journalistin, Autorin und Studierende und das Betreiben dieses Blögchens kostet – genau wie alles andere im Leben – Zeit und Geld. Wer also mag, kann hier via Paypal ein bisschen Trink-, äh, Schreibgeld dalassen. Dankeschön! <3

 

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