Wenn jemand Krebs hat, ist das scheiße. Für alle Beteiligten. Und dann ist es so unerträglich schwer, die richtigen Worte bei Krebserkrankung zu finden. Hier ein Hilfs-Versuch – geschrieben aus eigener Erfahrung auf beiden Seiten.

Als ich diesen einen Artikel gelesen habe, musste ich erst die Tränen runter in den Bauch drücken und dann dort das Wutknäuel entwirren. Anschließend wollte ich den Text hundertfach ausdrucken und bei Ärzten und in Krankenhäusern aufhängen. Es geht um Worte bei Krebserkrankung – also, was man zu Menschen, die an Krebs erkrankt sind, besser nicht sagen sollte. Vieles davon habe ich selbst gehört.

Zum Beispiel so was:

„Wir müssen schließlich alle irgendwann sterben.“

Natürlich ist der Umgang mit so etwas Furchteinflößendem wie Krebs schwer und man ist unsicher, wie man reagieren soll. Man will den erkrankten Menschen unterstützen, Mitgefühl zeigen, die richtigen Worte bei Krebserkrankung finden, demjenigen trotzdem nicht zu nahe treten. Das ist ein verbaler Drahtseilakt. Aber Sätze wie der obige oder „Du bist so tapfer!“ und „Irgendwo ist jemand viel schlimmer dran als du“ (You don’t say) sind dabei ungefähr so hilfreich wie ein Fliegenfurz.

Worte bei Krebserkrankung
Worte bei Krebserkrankung | © J. Wagener

Aus eigener Erfahrung kann ich außerdem sagen: Nach überstandener Bestrahlungs- bzw. Chemotherapie beginnt erst der Teil mit der psychischen Verarbeitung und den empfand ich – wenn auch auf andere Weise – genauso hart.

Mein persönlicher Evergreen der Worte bei Krebserkrankung:

„Hast du keine Angst, dass es wiederkommt? Immerhin hattest du es schon mal.“

Ich höre diese Frage immer wieder. Natürlich habe ich Angst, himalayaeske sogar. Aber es gelingt mir meist, sie zu verdrängen, sonst könnte ich auch kein halbwegs normales Leben führen. Und weißt du denn, was gerade jetzt irgendwo hinten links in deinem Körper wächst? Eben.

Das ist NICHT. HILFREICH.

Ja. Auch mir gelingt es oft nicht, meine Anteilnahme so rüberzubringen, wie ich es gern würde. Die Autorin des Buzzfeed-Textes sagt aber, was ihrer Meinung nach gar nicht geht und gibt am Ende Tipps, wie man es besser machen kann.

Zum Beispiel: „Mit deinem Krebs hast du ja noch Glück gehabt, es hätte auch XYZ sein können.“ Nur, weil jemand noch elender dran ist, ändert das nichts, aber auch gar nichts, an dem Krebs-Problem des Betroffenen. Oder „Also, WENN den Krebs jemand besiegen kann, dann DU!“

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Tja, nee. Wie jeder weiß, der mal von so einer Krankheit betroffen war – man selbst hat leider nur so mittelmäßigen Einfluss auf das Ganze. Klar kann man sich gesund ernähren, sich einen Wolf meditieren und auch sonst alles tun. Aber letztlich ist Krebs kein persönlicher Feldzug, sondern eine Krankheit. Und dieser Satz erzeugt unglaublichen, unnötigen Druck.

Ich habe die die großartigen „Empathy Cards“ der Künstlerin und Krebs-Überlebenden Emily McDowell entdeckt. Hier mein Lieblingsbeispiel:

emilymcdowell-card

Sie sagt: „Ich habe diese Karten für schwere Krankheiten entworfen, weil wir bessere, authentischere Arten brauchen, über Krankheit und Leid zu kommunizieren.“ WORD! Also klemmt euch Phrasen und Platitütden, lasst das Herz sprechen.

Die richtigen Worte bei Krebserkrankung

Die richtigen Worte zu finden ist unter anderem deshalb schwer, weil Menschen so unterschiedlich sind und komplett anders mit so einer Diagnose umgehen.

Ich persönlich habe mich immer gefreut über rabenschwarzen Humor, Dinge wie „Ach, du strahlst ja heute wieder richtig!“ Ja, zugegeben – das ist hart. Aber das war eben mein individueller Umgang mit dem Krebs und der Therapie und ist definitiv nichts für jeden.

Vielleicht ist es klug, dir genau Gedanken zu machen, was das für ein Mensch da betroffen ist, wie er oder sie tickt – und zu berücksichtigen, in welchem Verhältnis ihr zueinander steht. Je näher man sich ist, desto eher kann man auch rustikale Witze vertragen. Oder wie eine inzwischen verstorbene Freundin der Familie während ihrer Krankheit immer zu sagen pflegte: „Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Oft sind es einfache Sätze, die helfen:

  • Ja, Krebs ist scheiße. Richtig, richtig scheiße.
  • Möchtest du allein sein oder magst du Gesellschaft?
  • Ich bin hier, wenn du mich brauchst.
  • Willst du eine Umarmung?
  • Ich kann nicht im Ansatz nachfühlen, wie es dir geht, aber ich bin für dich da
  • Du bist nicht allein. Es sei denn, du willst das so.

Außerdem sprechen Menschen mit Krebs auch gern mal über was anderes. Die Krankheit bestimmt schon genug Anteile des Alltags und diese Menschen sind mehr, viel mehr, als der blöde, verschissene Tumor in ihrem Körper.

Dem Krebs danken – ja, das geht

Manchmal kann so eine Krankheit – trotz aller Angst und allen Grauens – auch ein Stück weit helfen, sich des Lebens mehr bewusst zu werden und dieses kostbare Geschenk viel mehr zu schätzen. Sie kann dabei helfen, zu erkennen, wer echte Freunde sind und wer eher nicht so. Und aufzeigen, welche die wahren Herzenswünsche sind. Für stern.de habe ich aufgeschrieben, wofür ich dem Krebs dankbar bin.

Danke an Pflegekräfte

Wer selbst eine Krebserkrankung hat oder Angehöriger ist, der hat viel mit Pflegenden und Ärzten zu tun. Nicht immer läuft dabei alles rund, die Kommunikation lässt meiner Erfahrung nach oft extrem zu wünschen übrig.

Aber es gibt vereinzelt Menschen auf dem Weg der Krankheit, die einen echten Unterschied machen. Die besonders kompetent oder einfühlsam oder einfach nur sie selbst und damit genau richtig sind. Wie man sich bei ihnen bedanken kann? Na, so zum Beispiel.

Ehrlichkeit zählt

Und falls dir auf Biegen und Brechen absolut gar nichts einfällt, was du zu einem Menschen mit Krebs sagen kannst, und du null passenden Worte bei Krebserkrankung findest, dann sei aufrichtig und sage genau das: „Ich würde dich so gern trösten, aber ich finde nicht die richtigen Worte.“

Das ist auf jeden Fall ehrlich. Und damit ein verdammt guter Anfang.


In meinem Buch „Narbenherz“ könnt ihr übrigens alles darüber lesen, wie ich mit der Krankheit umgegangen bin – und falls ihr keine eigenen Worte findet, kann das Büchlein (Leseprobe hier) vielleicht ein wenig Mut und Trost spenden:


PS: Ich bin freie Journalistin, Autorin und Studierende und das Betreiben dieses Blögchens kostet – genau wie alles andere im Leben – Zeit und Geld. Wer also mag, kann hier via Paypal ein bisschen Trink-, äh, Schreibgeld dalassen. Dankeschön! <3

 

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