Dieser kurze Twitter-Dialog mit der klugen @KatiKuersch brachte mich zum Nachdenken:

Ich habe mich nach meiner Scheidung und der Letzt-Liebe (für Interessierte: siehe „Narbenherz„) viel damit beschäftigt: Wie will und kann ich lieben?

Früher war ich glühende Verfechterin der reinen Lehre von Funkenschlag und Herzklopfen. Erst Recht nach einer knapp zehn Jahre langen Beziehung, die in Hauskauf, Hochzeit und Scheidung mündete. Ich wollte nämlich damals nicht mehr mit meinem besten Freund verheiratet sein. Ich wollte keinen Brudi. Ich wollte einen Mann. Leidenschaft statt löchriger Socken.

Ich hatte aus einem tiefen Sicherheitsbedürfnis heraus geheiratet. Ich wollte unter einer Plüschmarkise der Geborgenheit eine stabile Familie nachbauen. Es hat nicht funktioniert, nicht für mich. Ein Teil von mir, den ich sehr mochte, drohte in der Reihenhaus-Idylle im Hamburger Vorort zu verkümmern.

Vielleicht geht das ja grundsätzlich nicht, das Flämmchen der Leidenschaft flackernd zu halten, wenn man sich über Jahre mit springbrunnenartiger Magen-Darm-Grippe, unrasiert und pickelig, zickig und stinkig erlebt. Sich gewöhnt, Reibung und Anziehung abstumpfen, ausfasern.

Vielleicht muss man sich wirklich zwischen zwei Konzepten entscheiden?

Einerseits Partnerschaft/ Familie als Lebensmodell.
Dafür brauchst du einen besten-Freund-Menschen, der dir den Rücken freihält und den Alltag mit dir wuppt. Jemanden, der dich vervollständigt, bis ihr eine kieselglatte Einheit werdet. Dann sind die Socken nicht wichtig und Verliebtsein auch nicht. Sondern andere schöne Dinge. Und wenn von Anfang an keine Flamme da ist, kann sie auch nie verlöschen, nicht wahr?

Andererseits wildromantische Liebe.
Die Art, die dir den Atem klaut und den Schlaf, die dir die Knie schmelzen lässt und den Kopf, die dich Bücher, Gedichte und Lieder schreiben macht. Dafür brauchst du einen Menschen auf Augenhöhe, der dich fordert und mit dir wächst, der mindestens genauso hell strahlt wie du und mit dir gemeinsam leuchtet. Einen Menschen, der dich zu deinem größten Selbst inspiriert. Das kann ziemlich weh tun und Angst machen, ist nicht immer von Dauer und manchmal auch nicht unbedingt alltagstauglich.

In jüngster Zeit erlebe ich zunehmend Leute, die ihre Sehnsucht zugunsten eines Partnerschaftskonzepts aufgeben. Das finde ich inzwischen akzeptabel, wenn einem das Konstrukt wichtig ist.

Ich allerdings habe jetzt, in diesem Moment, nicht mehr das Gefühl, einen anderen Menschen zum Leben zu brauchen. Niemanden, um mich gut, sicher und vollständig zu fühlen, mich zu bestätigen. Ich habe gelernt, dass ich selbst für Geborgenheit und Zufriedenheit zu sorgen vermag. Vielleicht will ich niemanden brauchen, vielleicht will ich jemanden wollen.

Letzlich glaubt mein Herz immer noch, dass es Romantik UND Partnerschaft geben, dass es beides haben kann.

Jemanden, um in aller Romantik den Alltag zu wuppen, der mir den leidenschaftlich zerkratzten Rücken freihält. Und so, wie ich es kenne, wird es auch nie aufhören daran zu glauben.

Vielleicht ist mein Herz verrückt und hochmütig. Vielleicht bin ich auch ein Opfer der Kitsch-Industrie. „Wenn es nicht flasht, dann ist es die Sache nicht wert“, sagte mal jemand zu mir. Vielleicht geht das immer weg. Vielleicht ist das egal. Vielleicht kann kein Mensch all deine Erwartungen erfüllen. Vielleicht darfst du trotzdem welche haben. Vielleicht ist es harte Arbeit, vielleicht reine Glückssache. Vielleicht kann dich erst jemand glücklich machen, wenn du es selber kannst. Vielleicht kann es nicht ein Leben lang derselbe sein. Vielleicht schon. Aber ich persönlich werde mir keinen Kompromiss-Menschen aussuchen, weil ich mein Leben nach einem Konzept richte. Mittlerweile kann ich die verstehen, die es tun. Ich allerdings bleibe dann lieber allein und habe Romanzen. Vielleicht werde ich das bereuen. Vielleicht werde ich meine Meinung ändern. Vielleicht auch nicht.

Die Wahrheit ist: Ich habe keine Ahnung.