Meine Omi hat immer großartige, aufrüttelnde Geschichten erzählt. Kein Wunder: Sie hatte ein aufrüttelndes Leben, vor allem geprägt durch Krieg und Flucht. Aber meine Omi ist gestorben. Geschichten wie ihre allerdings, das glaube ich, gibt es da draußen noch viel, viel mehr. Ich will sie hören – und festhalten. 

Während ich aus den Tonaufnahmen meiner Omi, in denen wir einfach so über ihre Vergangenheit plauderten und ich Hintergrundmaterial fürs Buch sammelte, als Weihnachtsgeschenk ein Hörspiel für meine Schwester bastelte, hatte ich eine Idee: Vielleicht gibt es noch mehr Menschen da draußen, die solche Geschichten hören wollen. Und sollten.

Davon, wie grauenhaft und entsetzlich Krieg ist, wie er die Überlebenden bis zu ihrem Tode traumatisiert und sogar die Generationen nach ihnen. Davon, wie es ist, als Kind in einer zerbombten Stadt zu leben und zu hungern. Davon, wie es ist, als Kind Hals über Kopf seine Heimat verlassen zu müssen – zu Fuß, verlaust und dreckig, ohne zu wissen, wo es hingeht und was werden soll. Davon, wie es ist, als geflüchteter Mensch beschimpft, verjagt und gedemütigt zu werden, während man doch eigentlich nur nach Hause will und nicht kann. Diese Geschichten gab es in Deutschland, sie sind über 70 Jahre her – aber viele scheinen das (und so einiges andere aus dieser Zeit) vergessen zu haben. Auch heute suchen Geflüchtete in Deutschland Schutz vor Krieg und werden beschimpft und bedroht.

Für ze.tt arbeite ich deshalb an einem Podcast-Format, Arbeitstitel „Oma erzählt vom Krieg“. Dafür suche ich im Raum Berlin flotte ältere Damen um die 80, die sich an die Zeit damals noch erinnern können und Lust haben, davon zu berichten. Da es sich um Tonaufnahmen handelt, können sie gern anonym bleiben. Wenn ihr so eine Zeitzeugin kennt oder sogar seid, meldet euch gern per Mail bei mir: jessica.wagener@ze.tt. Liebsten Dank für eure Hilfe!

Oma erzählt vom Krieg
Oma erzählt vom Krieg