Ich möchte euch kurz von meinem Zimmer in Schottland erzählen. Wenn ich aufwache, lächle ich. Morgens scheint die Sonne direkt auf meine Nase. Sie scheint überraschend oft hier in Glasgow. Dann hole ich mir einen Becher Tee mit Kardamom und Honig, setze mich wieder ins Bett, schließe die Augen und freue mich.

Es sind die kleinen Dinge.

Manchmal allerdings auch die großen.

Meine Bettdecke zum Beispiel ist größer als das ganze Bett und ziemlich oft liege ich mit ausgebreiteten Armen und Beinen darunter wie ein Seestern. Es ist warm und flauschig und zwar innen und außen.

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Ich habe eine Schublade im kleinen Schränkchen neben dem Bett für meine Tabletten, aber auch eine für Schokolade. Wegen der Balance und so, ihr versteht. Vor dem Bett liegt ein künstliches Schaffell, damit auch meine Füße morgens etwas haben, worauf sie sich freuen können. Und obwohl ich eine langjährige Fehde mit Kleidermotten ausfechte, habe ich mir mutig einen offenen Kleiderständer für mein Zimmer besorgt. Seitdem weiß ich morgens schneller, was ich anziehen möchte.

Ich habe außerdem eine kitschige Lichterkette über dem Bett und dekorative Bilder an der Wand. Die habe ich nicht danach ausgesucht, ob sie zusammenpassen. Sondern nur danach, ob sie mir gefallen. Komischerweise passen sie besser zusammen als alle anderen jemals zuvor.

Das Fenster ist clever konstruiert; Wenn man den unteren und den obere Teil gleichzeitig öffnet, entsteht so was wie ein Kreislauf – die alte Luft strömt schneller raus, frische Luft kommt schneller rein. Allerdings braucht man dazu eine Art Spazierstock mit Haken. Den habe ich Pimp Stick getauft, weil ich bedauerlicherweise den Humor einer 17-Jährigen habe, die in den Neunzigern hängen geblieben ist.

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Ab und zu, wenn ich im Bett sitze und Uni-Notizen durchgehe, kommt Paul im Pyjama rüber in mein Zimmer und bringt Wein mit. Oder Whisky. Dann lasse ich die Notizen liegen und wir reden darüber, wo wir überall hinfahren wollen, was wir uns in den Highlands unbedingt angucken möchten, welche Destillerie wir besuchen werden, dass ich Todesangst vorm Linksverkehr habe, ob wir grad glücklich oder traurig sind und warum. Und dass wir auf jeden Fall noch ein ganzes Weilchen zusammen wohnen wollen.

Wenn ich einschlafe, lächle ich auch.

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