Die erste Woche an der Uni war… überwältigend. Und zwar so ziemlich in jeder Hinsicht.

Mit zehntausenden anderen Studierenden dränge ich mich den Campus Hill rauf und runter und wieder rauf, an der Baustelle vorbei, durch die lächerlich engen Treppen rauf zu den Bogengängen, wieder runter; vor den Fahrstühlen in der Bib, bei der Pizza in der Mensa. Überall Menschen. Viele, viele junge Menschen. Gesichter, Namen, Geschichten, Schemen.

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Sie alle wetzen von einem Gebäude zum anderen, wir haben ja nur maximal zehn Minuten Zeit. Einmal stehe ich tatsächlich eine Stunde zu früh im Vorlesungssaal; ein anderes Mal lande ich am komplett falschen Ende des Uni-Geländes, schaffe es aber gerade noch rechtzeitig – weil ich in weiser Voraussicht ausreichend Puffer eingeplant habe und mich inzwischen ein bisschen auskenne.

Meistens allerdings mäandere ich wie ein Irrlicht durch labyrinthartige Gebäude, die im Laufe der Jahrzehnte durch Anbauten und Umbauten immer weiter verschachtelt wurden. Es würde mich nicht im geringsten wundern, wenn ich hinter einer Ecke auf das bislang unentdeckte Skelett eines verlorenen Erstis von 1990 stoßen würde.

Koryphäen und Chaos in der ersten Woche an der Uni

In Geschichte hält ein großartiger, unglaublich netter Professor die Vorlesung, eine wahre Koryphäe. Ich würde es so sehr genießen – säße ich nicht mit schätzungsweise 400 Leuten in einem Raum, die alle husten, keuchen, röcheln. Ich rutsche trotz Brille mit zusammengekniffenen Augen in meinem Stühlchen nach vorn und versuche, die Buchstaben auf den Folien zu entziffern, die von hier hinten so klein aussehen wie Ameisen. Wäre alles halb so schlimm, würde wenigstens sein Mikro funktionierten. Na, zum Glück gibt’s die Folien ja online.


Leider im digitalen Dickicht von Moodle, irgendwo rechts hinten in My Campus. Hier etwas zu finden, das gleicht einer experimentellen Schnitzeljagd. Für jeden Kurs sieht es anders aus, alles Kraut und Rüben, wo ist die Scheiß-Leseliste, wieso zur Hölle ist das nicht einheitlich? Es juckt mich in sämtlichen Gliedmaßen, bei der IT vorbei zu spazieren, anzuklopfen und zu brüllen: „Mein Name ist Wagener und ich würde mit Ihnen gern über Benutzeroberflächen sprechen, Sie widerwärtiger Sadist!“ Dazu allerdings müsste ich die IT auf dem Gelände erst mal finden, wird also in absehbarer Zeit erst mal nichts.

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Mich beschleichen Zweifel, dass ich mich übernommen haben könnte. Schaffe ich das wirklich? Bin ich echt klug genug? Oh, und dann das Lesen! So viele Bücher, so wenig Zeit! Und so viele Veranstaltungen! Zwischendurch noch arbeiten, kreativ sein, kochen, essen, abwaschen, einkaufen, aufräumen, putzen, auf Toilette gehen, schlafen…

Und trotzdem.

Jedes Mal, wenn ich ein Buch in die Hand nehme, flattert mein Herz – nicht in einer Panik-Attacke, sondern aus Freude und vor lauter Neugier. Immer, wenn ich das historische Uni-Gebäude sehe, muss ich lächeln. Ich habe noch nicht einmal in einer Vorlesung kurz geschlummert, ich höre konzentriert zu, ich will wissen. Noch.

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Und ich weiß: Es geht den anderen in der ersten Woche an der Uni ganz genau so. „My head is spinning“, ist der meist gesagte Satz unter uns älteren Studierenden, wenn wir uns zwischen den Vorlesungen und Seminaren kurz begegnen. Wir ächzen angesichts der ganzen neuen Informationen, der Herausforderung, das Studium und ein ziemlich volles Erwachsenenleben zu vereinbaren. Aber alle, ausnahmslos alle, haben dieses kleine Leuchten in den Augen.

Ich hoffe, es bleibt uns über die nächsten paar Jahre erhalten.


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