Noch sechs Wochen bis Weihnachten. Keine Ahnung, ob ich dank Pandemie wieder alleine feiern muss. Kein Wunder, dass ich mich mit Trauer im Herzen an Weihnachten mit Omi und Opi erinnere.

Die beiden leben schon seit ein paar Jahren nicht mehr, ich lebe inzwischen in Schottland. Eigentlich ist alles ganz okay. Meistens jedenfalls. Es vergeht zwar kein Tag, an dem ich nicht an Omi und Opi denke, aber zum Glück heule ich mittlerweile nicht mehr jedesmal Rotz und Wasser vor lauter Vermissung.

Nur ist es trotzdem so: Am Jahresende fehlen mir die beiden einfach noch mehr als sonst.

Verdammte Trauer. Sie geht nie ganz weg. Aber sie zeigt auch, wie groß die Liebe war.

Wehmütig denke ich an unsere Weihnachten im Pflegeheim mit der ganzen Familie. Darüber habe ich schon mal geschrieben – in „Wir geben Opa nicht ins Heim“. Hier ein Auszug:

So war Weihnachten mit Omi und Opi:

„Opa liegt unerwartet ruhig und gelassen in seinem Bett, schimpft nicht und blickt immer wieder umher, als könne er nicht fassen, dass wir wirklich alle hier sind. Keiner von uns kann sich erinnern, wann wir als Familie das letzte Mal alle zusammen in einem Raum waren. Ein kleines Weihnachtswunder. Oma isst sogar ein bisschen Kartoffelsalat. Es ist warm, schummrig und ruhig. Auf dem iPad laufen weiter leise Weihnachtslieder.

„Eigentlich könnten wir ja mal was singen“, bringe ich zaghaft hervor.
„Ja, der Opa hat früher immer so gern gesungen“, sagt Oma wehmütig. „Der hatte sie eine schöne Stimme. Und das haben wir zu Hause auch immer gemacht, besonders an Weihnachten. Dab gab es kein Radio und all so einen Schnickschnack.“

Ich erinnere mich, Opa hatte wahrhaftig eine klare, kräftige Stimme. Doch seit vielen Jahren ist kein gesungener Ton mehr über seine Lippen gekommen. Vermutlich hat das hinterhältige Parkinson längst auch seine Stimmbänder ruiniert.

„Ja, ich erinnere bloß die Texte nicht mehr“, sagt Opa. Ich auch nicht. Aber das kann kein Argument sein. Die Luft im Zimmer summt vor Weihnachtsgefühl und Besinnlichkeit.

Und dann – ich weiß nicht, wer von uns den ersten Ton angestimmt hat – singen Oma, Großcousine und ich los. Zuerst gar nicht ernst und ziemlich zögerlich, dann immer mutiger. Ich drehe die Lautstärke höher. „O Tannenbaum“ und „alle Jahre wieder“. Schließlich spielt der Streamingdienst „Stille Nacht“, da sind wir alle textsicherer.

Und ganz plötzlich höre ich die Singstimme meines Großvaters. Das erste Mal sein vielen Jahren. Nicht so laut und schmetternd wie früher, aber noch klar und deutlich. Meine Finger umkrampfen das iPad. Passiert das gerade tatsächlich?

Ja. Opa liegt in seinem Bett und singt bedächtig mit geschlossenen Augen. Er rollt das „r“ beim Singen mehr noch als beim Sprechen. „Schlaf in himmlischerrr Rrruuuhuuu…“ eine Träne tropft aufs Display, mein Herz ziept vor Freude. Unsere Stimmen verweben sich, Opa kann den Letten Ton nicht lange halten. Aber das macht gar nichts. Wir sind zusammen, wir singen gemeinsam, in diesem Moment ist alles auf der Welt in Ordnung.“

>> Falls ihr die ganze Geschichte von Omi und Opi lesen wollt, könnt ihr das Buch übrigens hier bestellen.

Her mit euren Erinnerungen!

Außerdem: Es haben garantiert noch sehr viel mehr Menschen da draußen in diesem Internet sehr schöne Erinnerungen ans Weihnachtsfest mit den Großeltern.

Von schiefen Bäumen mit bunten Kugeln über Ente mit Rotkohl bis zu eingetuppertem Kartoffelsalat, mit dem man für die nächsten zwei Monate einen ganzen Häuserblock verköstigen könnte. Was sind eure schönsten Weihnachtserinnerungen an Oma und Opa?

Schreibt mir hier in die Kommentare, auf Twitter oder Instagram und erzählt mir die Omi-und-Opi Weihnachtsgeschichte, die für immer euer Herz wärmt!


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