03 Dez

Meine Kurzzeitehe in Miami

Noch bevor ich die Augen aufmache, höre ich seine Gitarre. Luis‘ Mädchenfinger kratzen sachte über die Saiten. Er sitzt auf dem Balkon, hinter ihm glitzert der opalblaue Atlantik. Auf dem runden Tischchen steht Frühstück: frischer Kaffee, frische Mango. Ich lächle verschlafen, sein Bart lächelt zurück. Welcome to Miami.  Weiterlesen…

30 Nov

Musik ist überall in New Orleans

Sie fliehen vor der Musik. Der weißhaarige Klarinettist, ein Cousin Gandalfs in Lederjacke, kichert vorm Café Beignet dem davoneilenden Pärchen hinterher. „Einwohner. Sie haben manchmal einfach die Schnauze voll von der ganzen Musik und rennen weg.“ Kann mir nicht passieren. Wegen Jazz und Swing und Blues und so bin ich doch in New Orleans.  Weiterlesen…

18 Nov

Meine Affäre mit New York City

Es war von Anfang an klar, dass das mit uns keine Zukunft haben würde. Ich sitze auf meinem Hostelfeldbett und drücke meinen Rücken an die warme Backsteinmauer. Meine letzte Nacht mit New York City. Kratzige Filzdecke statt Satin. Wir hatten eine atemlose Affäre, die Stadt und ich. Erschöpfend. Fordernd. „Alle wirklich guten Dinge sind anstrengend, weil sie leidenschaftlich sind“, hat mal jemand zu mir gesagt. Genauso ist New York City.  Weiterlesen…

12 Nov

In Brooklyn schlafe ich in einer Kommune

„Hi, ich bin Lucy! Hast du Hunger?“ Sie steht in der WG in Brooklyn vor dem Gasherd und rührt in einem großen Topf. Als sie sich halb zu mir umdreht, fällt mir – gleich nach ihrem britischen Akzent – ihr abgebrochener linker Schneidezahn auf. Lucy sieht mit Stupsnase und zotteligen Zöpfen aus wie Pippi Langstrumpf nach einer Kneipenschlägerei. Ich bin sofort verliebt.  Weiterlesen…

12 Nov

Mein Marsch über die Brooklyn Bridge

Wahrscheinlich bekomme ich Hornhaut. Der Kunststoffgriff meines Trolley-Rucksacks reibt schrittrhythmisch schabend meine Handfläche wund. Die Haut brennt, aber das fällt kaum auf – diverse Schmerzrezeptoren laufen körperweit auf Hochtouren. „Geh‘ unbedingt zu Fuß über die Brooklyn Bridge“, haben sie gesagt, „das ist voll schön und romantisch.“

Von Romantik bin ich nur leider momentan so weit entfernt wie Paris von Ulan Bator.  Weiterlesen…

08 Nov

New York City ohne Strom

Der erste Morgen meiner Reise ist novemberkalt. Ich brauche Strom, sofort. Für mein Handy, für eine Internetverbindung. Damit ist klar, womit meine Tage durch den Stromausfall in New York ausgefüllt sein werden: Mit der Jagd nach der wichtigsten Ressource unserer Gesellschaft.  Weiterlesen…

06 Nov

Meine Ankunft in New York

„Sie sehen glücklich aus. Warum sind Sie so glücklich, Jessica?“ Die Frau hinter dem Schalter in New York fletscht professionell die Zähne, ihre Stimme klirrt zu hell, um ehrlich freundlich zu sein. Dass mir diese Frage so gestellt mikrosekundenlang ein schlechtes Gewissen macht, schafft nur das Department of Homeland Security. Jedes Mal. Im Neuronentempo horche ich in mich hinein: Bin ich vielleicht doch nur deshalb so gut gelaunt, weil irgendein subversiver Teil im finstersten Winkel meiner Seele insgeheim die amerikanische Bevölkerung pulverisieren will?  Weiterlesen…

04 Nov

Weltreise-Start mit Fensterplatz

Der A 380 ruckelt vom Gate zur Startbahn und ich blicke durch das Bullauge auf die vergangenen eineinhalb Jahre. Der kalte Kunststoff der Wandverkleidung reibt an meiner Schläfe. Ich sitze in einem Flugzeug, spüre Dankbarkeit und bin dabei, all die Orte zu bereisen, die ich schon immer sehen wollte – mein größter Wunsch wird wahr.  Weiterlesen…

18 Okt

Die Sache mit dem Mut zur Weltreise

„Ich beneide dich. Ich würde auch so gern alles hinschmeißen und einfach reisen. Ich hätte auch gern den Mut zur Weltreise…“ Mein Gegenüber starrt über den Rand des Kaffeebechers an mir vorbei. Ich seufze innerlich und versuche mich zu erinnern, wie oft ich dieses Gespräch in den vergangenen Wochen geführt habe. Zumindest so oft, dass mein anfangs glühender Enthusiasmus für die Weltreise inzwischen nur noch lauwarm ist. Denn mir will einfach niemand glauben.  Weiterlesen…

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