Inflation, Brexit-Folgen, Pandemie: All das wirkt sich in meinem Portemonnaie aus. Was das Leben in Schottland aktuell kostet? Das kann ich euch sagen.

Ich liebe das Leben in Schottland. Aber es ist eben nicht nur romantisches Rumtollen vor dramatisch zerklüfteter Kulisse. Es ist mein Alltag: arbeiten, Miete zahlen, einkaufen, all das Profane.

Um es mal pointiert zu formulieren: Statt im Tartangewand auf dem Shetlandpony durch die Highlands zu hoppeln, sattle ich samstags den Hackenporsche und schlurfe durch Straßenschluchten zu Lidl oder Aldi. Wegen des Schwarzbrots, versteht sich. Aber auch, weil’s ein Stückchen Nostalgie ist. Und günstig.

Vor allem seit das mit dem Brexit durch ist, fragen mich immer wieder Leute, was der Alltag und das Leben hier so kosten.

Das Leben in Schottland ist in der Tat in den vergangenen Jahren teurer geworden. In den Medien ist sogar von der „cost of living crisis“ die Rede. Denn nicht nur die Preise im Supermarkt sind gestiegen. Vor allem Strom-, Gas-, Energiekosten gehen durch die Decke.

Im März 2022 hat die Inflation in ganz Großbritannien laut ONS (Office for National Statistics) 6,2 Prozent erreicht– der höchste Wert seit 1990. Tendenz steigend.

Die Inflation wiederum wirkt sich nicht nur direkt aus, sondern wird auch auf andere Preise umgelegt – wie den vom Schwarzbrot – die dann wiederum auch steigen…

So teuer ist das Leben in Schottland

Ich würde sagen: Im Großen und Ganzen sind die Lebenshaltungskosten in Schottland recht ähnlich wie in Deutschland, mit gewissen regionalen Unterschieden. Allerdings war ich pandemiebedingt schon mehr als zwei Jahre nicht mehr in Deutschland.

Hier Beispiele der Preise in Glasgow Mitte 2022:

  • Flat White = ca. 2,70 Pfund – also ca. 3,20 Euro
  • Großes Bier im Pub = 3,80 Pfund – also ca. 4,50 Euro
  • Gin&Tonic im Pub = 5 Pfund – also ca. 5,90 Euro
  • Portion Pommes = 2,30 Pfund – also ca. 2,70 Euro
  • ganze Pizza = 8 Pfund – also ca. 9,30 Euro
  • Burger mit Pommes = 9 Pfund – also ca. 10,50 Euro
  • 1,5 Kilo Kartoffeln = 1,40 – also ca. 1,60 Euro
  • 800 Gramm Brot = 1,55 Cent – also ca. 1,80 Euro
  • Liter Milch = 1,14 Cent – also ca. 1,30 Euro
  • Liter bleifreies Benzin = ca. 1,92 Pfund – also ca. 2,23 Euro
  • Besuch bei dem*der Friseur*in, je nach Haarlänge, nur waschen, schneiden, föhnen = ca. 50 Pfund – also ca. 58 Euro

Dazu aber auch zwei sachdienliche Hinweise: Der Umrechnungskurs schwankt, deshalb sind das nur grobe Orientierungen – hier ein tagesaktuelles Umrechnungs-Tool. Und es ist keine umfassende Datenanalyse; das sind Preise aus meinem Alltag und meinem Viertel, Stand Mitte 2022.

Außerdem: Brexit-Folgen, Covid-Pandemie und Inflation wirken sich deutlich spürbar aus und werden das auch weiterhin tun. Die Inflation in Schottland hat laut Bericht des SCDI (Scottish Council for Development & Industry) Ende 2021 etwa 4,8 Prozent erreicht; Ende nicht in Sicht. Das zeigt sich beim Einkauf. Auch die Energiepreise schlagen ordentlich zu Buche und werden an Kund*innen weitergegeben.

Investigative Recherchen der unabhängigen gemeinnützigen Journalismus-Kooperative The Ferret zum Thema Lebenshaltungskosten haben zum Beispiel ergeben, dass Geringverdienende in Schottland über die Hälfte ihres Gehalts für Miete ausgeben müssen. Außerdem haben Landwirt*innen wegen der Preise für Benzin und Dünger sowie des Mangels an Arbeitskräften mit Kostensteigerungen von bis zu 200 Prozent zu kämpfen. Und bedingt durch die Pandemie und steigende Kosten schließen immer mehr Geschäfte, besonders in den Innenstädten und ländlichen Gegenden.

Preise für Strom, Gas & Co.

Viele Wohnungen in Schottland haben Gasboiler, manche auch elektrische Heizungen. Die Energiepreise steigen, wie überall in Europa, auch in Schottland rasant. Das heißt: So ein zugiges Altbau-Tenement mit hohen Decken und Erkerfenstern kann im Winter recht teuer werden.

Von Armut betroffene Menschen müssen sich mitunter zwischen Heizen und Essen entscheiden – das „heat or eat“-Problem. Eine unaussprechliche Schande in einem Land mit so viel Wohlstand wie Großbritannien. Dass das so ist, ist aber kein Sachzwang, sondern die Folge politischer Entscheidungen.

Nur als groben Richtwert: Ich lebe in einer Wohnung mit einem Schlafzimmer (und einem Wohnzimmer) und zahle an Strom und Gas im Jahresdurchschnitt aktuell geschätzte 80 Pfund monatlich.

Das ist seit 1. April aber deutlich mehr. Wegen der Energiepreis-Obergrenze. Das ist der Höchstbetrag, den Energieversorgungsunternehmen ihren Kund*innen durchschnittlich pro Jahr in Rechnung stellen können. Grundlage sind die Energiegroßhandelspreise in den Monaten davor. Der Betrag wurde routinemäßig überprüft – und um satte 54 Prozent angehoben. Zum Vergleich: Im August 2021 waren’s nur sechs Prozent.

In vielen Mietwohnungen in Schottland, dazu gehörte auch meine erste eigene hier in Glasgows West End, sind Smartmeter installiert. Die zeigen immer den aktuellen Stromverbrauch in Echtzeit an. Dann gibt’s noch Prepaid-Strom (PAYG – „pay as you go“), bei dem man im Kiosk oder per App eine Karte auflädt und in den Zähler schiebt. Aber man kann auch einfach oldschool jeden Monat den Strom ablesen und ans Unternehmen schicken.

Mieten und Nebenkosten in Schottland

Bei der Berechnung der Miete sind Quadratmeter hier egal; es zählt allein die Zahl der Schlafzimmer.

Die Mehrzahl der Wohnungen in Schottland hat zwei Schlafzimmer. Laut Statistik der schottischen Regierung werden dafür im Schnitt 693 Pfund monatlich kalt fällig, das sind umgerechnet rund 805 Euro (kalt). Ein-Schlafzimmer-Wohnungen schlagen im schottischen Durchschnitt mit 546 Pfund (etwa 635 Euro) pro Monat zu Buche.

Das sind nur grobe Werte, die von Ort zu Ort variieren. Edinburgh ist vergleichsweise teuer (ein Schlafzimmer für 755 Pfund), Glasgow etwas günstiger (ein Schlafzimmer für 604 Pfund). Am billigsten ist es laut Statistik in der Region Scottish Borders (ein Schlafzimmer für 387 Pfund). Die Mieten in Schottland liegen preislich unter dem britischen Durchschnitt, sind aber seit der Pandemie gestiegen.

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Auf diese Kaltmiete kommt noch die Council Tax, das ist eine Art Gemeindegebühr. Damit wird unter anderem (Ab)Wasser und Müllabfuhr bezahlt – und zwar unabhängig vom Verbrauch. Die Höhe richtet sich, auch bei Miete, nach dem Wert der bewohnten Immobilie und ist Klassen von A bis H eingeteilt.

Beispiel: In Glasgow im Jahr 2021/22 fängt die Council Tax bei 1.230,12 Pfund (ca. 1.430 Euro) jährlich an und geht bis 4.314,06 Pfund (ca. 5.000 Euro). Die Council Tax wird monatlich gezahlt; in Glasgow sind das also zwischen 120 bis 420 Euro pro Monat.

Studierende sind davon befreit, müssen das allerdings anmelden. Wie genau das abläuft, hängt von der Uni bzw. dem Council ab. In Glasgow beispielsweise muss man eine bestimmte Anzahl von Credits haben, um befreit sein zu können. Das variiert aber, also am besten einfach nachfragen.

Dazu kommen Kosten fürs Internet von Anbietern wie EE, Virgin, Vodafone oder BT mit etwa 30 Pfund (ca. 35 Euro) pro Monat. Gegebenenfalls eine TV-Lizenz (sowas wie öffentlich-rechtliches TV bei uns) für 13,25 Pfund (ca. 15,50 Euro) im Monat.

Hier die Wohnkosten zur Orientierung:

  • Miete = 604,00 Pfund
  • Council Tax B = 119,60 Pfund
  • Internet = 30,00 Pfund
  • TV = 13,25 Pfund
  • Strom & Gas = 80,00 Pfund

Grob überschlagen kostet also eine Zweizimmerwohnung (1 Schlafzimmer plus 1 Wohnzimmer, Küche, Bad) in Glasgow für eine Person mit allen Nebenkosten durchschnittlich ungefähr 846 Pfund – das sind gut 1.020 Euro. Wie gesagt: inklusive.

Neulich habe ich spaßeshalber mal geguckt, was ich für den Mietpreis meiner Wohnung in Glasgow heute in meiner alten Heimat Hamburg bekommen würde. Tja, maximal ein Zimmer in Eidelstedt, Billstedt oder Neugraben. Eine gepflegte Zwei-Zimmer-Wohnung zwischen 50 und 60 Quadratmeter in halbwegs zentraler Lage kostet inzwischen fast 1.000 Euro kalt. Anders gesagt: Ich könnte mir mein altes Leben in Hamburg heute kaum noch leisten.

Nicht alles wird gleich viel teurer

Selbstredend habe ich keine Ahnung, wie sich das mit der Inflation und den Lebenshaltungskosten in Schottland in der kommenden Zeit entwickeln wird. Zurück werden die Preissteigerungen bestimmt nicht. Allerdings ist es recht hilfreich zu wissen, dass die Inflationsrate nur ein mittelmäßig aussagekräftiger Durchschnittswert ist. Denn nicht alles wird gleich viel teurer.

Und nicht alle Teuerungen betreffen alle Menschen gleich.

Aktivistin und Autorin Jack Monroe verfolgt seit Jahren sehr genau, wie Preissteigerungen vor allem den von Armut betroffenen Menschen in Großbritannien zu schaffen machen. Sie schreibt von Supermärkten, „die ihre 7,50 Pfund teuren Fertiggerichte und ihre 6 Pfund teuren Weinflaschen ein Jahrzehnt lang bei 7,50 Pfund und 6 Pfund belassen, während sie den Preis für einfache Brühwürfel und … weißen Reis vervierfachen.“

[Lies auch: Warum zur Hölle ausgerechnet Schottland?]

Hier der Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes, mit dem sich in etwa ausrechnen lässt, wie viel man in Deutschland persönlich mehr für Verbrauchsgüter zahlt. „Wer zum Beispiel kein Auto hat, wird auch kein Geld für Kraftstoffe und Fahrzeugwartung ausgeben – diese gehören aber zum Warenkorb des Verbraucherpreisindex“, heißt auf der Seite des Statistischen Bundesamtes.

Für mich persönlich ist das Leben in Schottland insgesamt günstiger als in Deutschland, was schätzungsweise vor allem an der Miete liegt. Davon abgesehen ist es hier aber auch ziemlich schön. Ich fühle mich wohl mit Land und Leuten. Und dafür kann man keinen Preis festlegen.

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