Schottland ohne Auto – geht das überhaupt? Natürlich! Hier sind ein paar nützliche Kenntnisse und Kompromisse.

Jede Reise ist anders. Und jeder Mensch reist auch auf unterschiedliche Weise. Ich persönlich gehöre zur Gruppe der eher untalentierten Autofahrenden und finde den Linksverkehr in Schottland furchteinflößend. Mit Links schalten? Keine Chance!

Deshalb erkunde ich meine Wahlheimat Schottland seit über vier Jahren ohne Auto. Also, wenn ich nicht grad wegen Uni und Job am Schreibtisch sitze oder wegen einer Pandemie in meiner Wohnung festhänge.

Wichtiges vorab: Abgelegenheit

Ein grundsätzliches Problem, auf das ich bei meiner Reiseplanung für Schottland ohne Auto immer wieder gestoßen bin: Abgelegenheit. Was das heißt?

Nun, die schönsten und erholsamsten Orte sind häufig ein bisschen weiter raus. Und außerhalb größerer Städte wie Glasgow, Edinburgh, Dundee, Perth oder St. Andrews wird das mit der Infrastruktur etwas knifflig.

Das hat nicht nur mit der Verkehrsanbindung zu tun: Auch Essen wird zum Problem.

Cottages, Campingplätze und Ferienwohnungen sind nämlich meist für Selbstversorgende konzipiert. Das ist für Autoreisende keine große Sache – ab zum Supermarkt und fertig. Aber für alle anderen wird das mit den Mahlzeiten kompliziert. Ich kann mir ja nicht den ganzen Rucksack mit Toast und Nudeln vollstopfen. (Nicht, dass ich es nicht versucht hätte.)

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Hostels mag ich, aber auch da muss ein Lebensmittelgeschäft in der Nähe sein. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Hotels mit Halb- oder Vollpension sind zwar herrlich, können aber ins Geld gehen. Bed & Breakfasts bieten – wie der Name schon sagt – nur Frühstück an. Das reicht natürlich nicht.

Deshalb gucke ich vor einer Buchung immer, ob ein Supermarkt, Restaurant, Pub oder Café fußläufig erreichbar – und vor allem geöffnet – ist.

Allgemeine Infos zu Reisen in Schottland ohne Auto

Darüber, dass es in ländlichen Gebieten weder Fußwege noch begehbare Seitenstreifen gibt und man auf der Landstraße laufen muss, habe ich schon hier oder hier geschrieben. Darum auf der entgegengesetzten Seite gehen, um Autos zu sehen und gesehen zu werden. Aufmerksam sein, besonders in Kurven und an Hügeln.

Auch Fahrradwege haben (noch) Seltenheitswert. Und Barrierefreiheit wird an vielen Orten hier leider extrem kleingeschrieben. Ich habe zum Beispiel in Glasgow noch keine U-Bahnstation mit Fahrstuhl gesehen.

Öffentliche Verkehrsmittel sind in Schottland ausbaufähig, doch das ist regional unterschiedlich. Größere Orte sind diesbezüglich viel besser aufgestellt und angebunden. Das ist bedauerliche Realität.

Bus

In Glasgow und anderen Städten – aber auch über Land – gibt es ein Busnetz. Verwirrend ist nur, dass es dafür mehrere Betreiber gibt und die Fahrkarten nicht übergreifend gelten. Man braucht also in ein und derselben Stadt ein Busticket für einen Betreiber und ein anderes für einen anderen sowie ein Zugticket plus U-Bahn-Fahrkarte… Das ist kompliziert und nervt.

Kleingeld wird im Bus übrigens nicht gewechselt. Also entweder passend dabeihaben, mehr reinwerfen, kontaktlos per Karte zahlen oder vorher ein Ticket in einer App (z. B. First) kaufen. Auch wichtig: Rumstehen reicht nicht, da unter Umständen mehrere Linien eine Haltestelle ansteuern. Darum ist klares Bus-Heranwinken nötig! Außerdem kommen die Busse selten pünktlich; manchmal sind sie auch zu früh, warten aber nicht. Deshalb lieber rechtzeitig an der Haltestelle sein.

Und: in ländlichen Gebieten fahren die Busse – wie auch in Deutschland – deutlich seltener.

Zug

Die Züge sind ein klein wenig älter und rumpelig, aber bisher bin ich mit ScotRail okay durchs Land gekommen. Gelegentlich kommt es im Winter zu wetterbedingten Ausfällen und ab und zu auch zu Streiks.

Kleiner Tipp für die Buchung: „outbound“ heißt Hinfahrt und „return“ heißt Rückfahrt.

Ebenfalls gut zu wissen ist, dass es bei der Ticketbuchung nicht immer ein vorher festgelegtes Abfahrgleis gibt. Stattdessen gibt’s an an größeren Bahnhöfen Bildschirme, auf denen die demnächst fahrenden Züge und die entsprechenden Gleisnummern aktuell eingeblendet werden. So ähnlich wie am Flughafen.

Fähre

Wegen der Vielzahl an Inseln sind auch Fähren ein wichtiger Teil der schottischen Infrastruktur. Die sind jedoch recht alt, stark wetterabhängig, fahren teilweise nicht oft genug oder im Winter auch mal gar nicht. Im Sommer sind sie hingegen andrangsbedingt schnell ausgebucht. Daher unbedingt rechtzeitig vorher prüfen und reservieren!

Google Maps sind übrigens mit Vorsicht zu genießen. Die App hat mich in Meikleour zum Beispiel nicht direkt zum Wald geführt, sondern die gefährliche Landstraße ohne Fußweg entlang. Auf Tiree hat es den Wind unterschlagen, auch Höhenunterschiede spielen in der App keine große Rolle – im echten Leben jedoch schon.

Wer sich also für eine Schottland-Reise ohne Pkw interessiert – hier eine Übersicht der Orte, an die ich bisher ohne eigenen fahrbaren Untersatz gelangt bin.

Diese Orte habe ich in Schottland ohne Auto bereist:

Oban, Mull und Iona ohne Auto

Die Abtei auf der Insel Iona
Die uralte Abtei auf der Insel Iona | © J. Wagener

Wie kommt man hin?
Von Glasgow mit dem Zug Richtung Oban. Dauert ca. drei Stunden und kostet zwischen 30 und 60 Pfund. Buchen geht über ScotRail oder die App Trainline. Die Strecke zieht sich durch beeindruckende Landschaft im Westen und gehört zu den schönsten und malerischsten in Schottland.

Von Oban aus fährt die Fähre in 45 Minuten nach Mull, dort von Craignure aus der Bus mit der Nummer 496 oder 96 gut eine Stunde über die Insel bis nach Fionnphort und von da eine kleine Fähre 10 Minuten nach Iona.

Wo kommt man unter?
In Oban im Oban Youth Hostel. Auf der Insel Iona im Iona Hostel, das jetzt Green Shed heißt.

Was essen?
In Oban Fish & Chips im George Street Fish Restaurant & Chip Shop und Eis im The Pokey Hat. Auf Iona habe ich mich im Hostel selbst bekocht. Snacks gibt’s im Rookery Café. Das St. Columba Hotel soll aber auch recht ordentlich sein. Der Gemüsegarten sah jedenfalls beeindruckend aus.

Was sehen und tun?
In Oban die Whisky Distillery, den Hafen und das War & Peace Museum. Außerdem lohnt sich ein Spaziergang durch die viktorianischen Villen auf dem Hügel und zum McCaig’s Tower.

Auf Iona die Quelle auf dem Hügel Dun I und natürlich die Abbey, aber vor allem die wunderbar unaufgeregte Landschaft.

Warum lohnt sich’s?
„Türkisblaues Meer, weißer Sand, sanfte Hügel und ordentlich aufgereihte kleine Häuschen. Und das Licht! Das Licht ist hier anders, ein bisschen weicher irgendwie und heller.“

Meikleour in Perthshire ohne Auto

Sonnenlicht fällt auf dicht bemoosten Waldboden in einem Kiefernwäldchen in Meikleour
Sonne, Wald und außer Moos nix los in Meikleour | © J. Wagener

Wie kommt man hin?
Von Glasgow aus gut eine Stunde mit dem Zug nach Perth, dann mit dem Bus 58 gut 40 Minuten nach Meikleour.

Wo kommt man unter?
Im Meikleour Arms. Aber nur ein paar Nächte – dieses kleine Juwel hat nämlich einen schillernden Preis.

Was essen?
Das köstliche Menü und den vorzüglichen Wein im hoteleigenen Restaurant. Alles lokal und frisch und very yummy.

Was sehen und tun?
Spazieren gehen, schlafen, lesen, baden, essen – das nenne ich Urlaub. Am schönsten ist der Wald hinter dem Hotel. Außerdem die größte Buchenhecke der Welt, aber dafür muss man zu Fuß eine Landstraße entlang, auf der die Leute leider sehr schnell fahren. Nicht empfehlenswert.

Warum lohnt sich’s?
„Silberkrustige Baumstämme, sattgrüne Farnblätter, purpurne Blüten, kleine, braune Pilze, die aussahen, als hätte jemand sein Hütchen liegen lassen… Und das Schönste: Ich war vollkommen allein. Nur ich und die Natur. Vielleicht ein paar Feen. Hie und da ein Bienchen. Pure Wildnis. Freiheit.“

Arran ohne Auto

Weißes Crofter Cottage bei Lochranza auf der Insel Arran in Schottland
Kleines Cottage bei Lochranza – nicht das B&B mit dem leckeren Kuchen, aber trotzdem süß | © J. Wagener

Wie kommt man hin?
Von Glasgow aus mit dem Zug ca. 45 Minuten nach Ardrossan und von dort mit der Fähre knapp eine Stunde nach Brodick. Auf Arran fahren regelmäßig Linienbusse, nur halt nicht so oft.

Wo kommt man unter?
Zum Beispiel wie ich im Ferghan Mhor, dem vegan Bed &Breakfast in Sannox.

Was essen?
Im B&B gab’s, als ich da war, jeden Tag frisches Gebäck: Brot, Empire Biscuits, Muffins, Cookies, Müsli-Riegel… Aber Arran hat auch etliche andere Food-Optionen. Zum Beispiel die Lochranza Sandwich Station, das Restaurant Wine Port in Brodick, Mara Fish Bar & Deli und Fran’s Tea Room in Sannox plus den French Fox Foodtruck.

Was sehen und tun?
Natürlich Brodick Castle mit dem erstaunlichen, riesigen, wunderbaren Garten. Der hat mit dem für Schottland verhältnismäßig milden und warmen Mikroklima auf Arran zu tun. Außerdem Seife shoppen bei Arran Aromatics, Ginchen schlürfen bei Arran Botanicals, die Whisky-Destillerie und die Burgruine in Lochranza besichtigen… Und das ist nur die eine Seite der Insel!

Warum lohnt sich’s in 1 Satz:
„Die Luft riecht nach Salz und Algen und nassem Stein. Der Whisky brennt ein bisschen auf der Zunge und rollt dann warm in durch den Hals in den Bauch. Das ist Schottland, wie ich es liebe.“

Crieff ohne Auto

Seitenansicht des viktorianischen Hotels Hydro im schottischen Crieff
Wenn das Hydro kein Spukhotel ist, dann weiß ich aber auch nicht | © J. Wagener

Wie kommt man hin?
Mit dem Zug gut zwei Stunden von Glasgow bis Dunblane und dann mit dem Bus Nr. 15 knapp 40 Minuten bis Crieff.

Wo kommt man unter?
Zum Beispiel im Crieff Hydro – dem viktorianischen Spukhotel, in dem ich Weihnachen 2021 verbracht habe.

Was essen?
Ich habe mich aus purer Faulheit ans Essen im Hotel gehalten. Das hatte wenig vegetarische und keine veganen Optionen, war aber insgesamt sehr solide. Mein Highlight: die Overnights Oats mit Zimt!

Was sehen und tun?
Das Hotel liegt im Wald, es gibt sanft geschwungene Hügel und schöne Spazierwege. Für die eher Aktiven Dinge wie Bogenschießen, Alpaka-Trekking, Reiten, Golf, Axtwerfen – oder auch planschen im viktorianischen Bad, Aroma-Massage…

Warum lohnt sich’s in 1 Satz:
Perthshire ist anders, milder, aber auch wirklich ausgesprochen zauberhaft – mit seinen sanften Hügeln und magischen Wäldern. Mehr Rosamunde Pilcher als Outlander.“

Tiree ohne Auto

Blick über Gras und Felsen hinweg auf das Meer im Happy Valley auf der schottischen Insel Tiree
Hat hier jemand „wie gemalt“ gesagt? | © J. Wagener

Wie kommt man hin?
Von Glasgow ein knappes Stündchen im Mini-Flugzeug; für den Rest der Strecke auf der Insel vorher telefonisch den Bus bestellen. Und zum rumkommen ein E-Bike oder Fahrrad reservieren.

Wo kommt man unter?
Im friedvollen und zauberhaften Mannal House in Mannal im Süden von Tiree.

Was essen?
Alisons unfassbar köstliches Frühstück (nicht vegan), Mittag im Farmhouse Café in Balemartine. Aber das reicht nicht, also definitiv Snacks mitbringen!

Was sehen?
Wenn man mich fragt? Das Happy Valley reicht schon. Der Friedhof in Balemartine ist aber auch sehr schön.

Warum lohnt sich’s?
Ruhe, Frieden und Natur pur. Hier, auf der Hebriden-Insel Tiree inmitten des Regens, ist alles gut.

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Sonstige Tipps für Schottland ohne Auto

Wer zu Fuß und ohne Pkw in Schottland – dem Land des wechselhaften Wetters – unterwegs ist, sollte sich zudem ein bisschen rüsten. Ich gehe nicht professionell wandern, deshalb sind das alles kein mountaineering-erprobtes Equipment.

Das ist mein Reiseoutfit für Schottland im Sommer:

Atmungsaktive Regenjacke mit Ärmeln, die lang genug für meine Arme sind. In Ärmel hineinrinnender Regen ist schlicht ekelhaft.

Meine Spaceleggings, die ist nämlich aus Badeanzug-Stoff / Lycra und trocknet deshalb schnell wieder, falls der Regen von allen Seiten kommt.

Wasserabweisender Rucksack für Snacks und Wasser. Mit Snacks und Wasserflasche.

Wenn’s warm und einigermaßen trocken ist, gestrickte Sneakers aus Stoff – weil die auch schnell wieder trocknen. Wenn’s kühl, nass und/ oder unwegsameres Gelände ist, dann die wasserfesten Panama Boots.

Damit war ich bisher auf meinen Schottland-Touren immer gut angezogen.

Jessica im wetterfesten Schottland-Outfit im Blackness Castle

Zwischendurch: Tagestouren

Es muss übrigens nicht immer die große Übernachtungs-Action sein; von größeren Städten wie Edinburgh und Glasgow aus gibt’s aber auch Tagestouren. Zum Beispiel mit Rabbie’s oder Hairy Coo.

Die mache ich gern, wenn ich mal einen Tag aus Glasgow raus will. Zum Beispiel auf Outlander-Tour oder nach Ayrshire. Einfach in den Van setzen, rumgefahren werden, Schottland erleben, fertig!

Schottland ohne Auto ist also durchaus machbar und auch wirklich schön. Keine Ahnung, wie das bei anderen Menschen so ist, aber ich kann Orte erfahrungsgemäß dann am besten erleben, wenn ich alleine herumspaziere. Auch und besonders in Schottland.

Hier nützliche Links auf einen Blick:
Zug: ScotRail
Bus: First Bus; Stagecoach
Fähre: Calmac
Flüge Loganair
Allgemeine Planung: Rome2Rio; Travelinfo Schottland
Tagestouren: Rabbie’s; Hairy Coo

 


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